Grundschrift

Die Grundschrift als erste und einzige Ausgangsschrift – eine genügt!

An unserer Schule wird die Grundschrift im 7. Jahr geschrieben. Zu Beginn nahm unsere Schule an einem Pilotprojekt zur Grundschrift teil und entschied sich dann, diese Schrift als einzige und erste Schrift mit den Kindern zu schreiben.

Die Grundschrift ist eine Schreibschrift, die mit der gedruckten Leseschrift korrespondiert: Ihre Buchstaben entsprechen der sog. Gemischten Antiqua, sind aber handgeschrieben.

Die Grundschrift erfüllt alle Anforderungen an eine Schreibschrift:

  • Sie ist besonders formklar und deshalb gut lesbar.
  • Sie ist funktional für alle Verwendungen der Textproduktion.
  • Sie ist mit zunehmender Schreibübung geläufig schreibbar.
  • Sie kann bei weiterem Gebrauch zur individuellen Handschrift weiterentwickelt werden.

Die Grundschrift ist eine teil-verbundene Schrift. Es werden maximal 3-4 sinnvolle Buchstaben verbunden. Schwache Feinmotoriker verbinden in der Regel weniger, gute Feinmotoriker mehrere Buchstaben. Wenn Kinder entgegen der Prinzipien individuell einen anderen Bewegungsablauf wählen, bei dem sie auch bleiben wollen, hat der individuell gewählte Ablauf Vorrang. Voraussetzung ist, dass der Buchstabe formklar und formstabil bleibt.

Die ersten 10-12 Verbindungen sind für alle Kinder verbindlich und werden trainiert. Es beginnt in der Regel dann, wenn im Unterricht sowieso au, ei etc. eingeführt werden (in Kl. 1 ca. im April).

Die sinnvollsten Verbindungen sind: au, ei, ie, en, el, er, ch, de….
Verbunden wird, was sich vom Schwung her anbietet.
Ziel ist: > mit Schwung schreiben
              
> leserlich
               > eigene Handschrift entwickeln.

Das eigentliche „Schönschreiben“ ist nicht mehr Ziel, Schreiben hat keinen Selbstzweck!

Die Druckschrift der Grundschrift fällt durch kleine Haken am Ende der Buchstaben auf und besonders das kleine e wird runder geschrieben.

Zum Schreiben geeignet sind nur dünne, runde Stifte, auch der Füller sollte eher dünn sein.

Lineatur wird als Hilfsmittel betrachtet und kann individuell eingesetzt werden. Also, für verschiedene Kinder werden verschiedene Lineaturen und Hefte ausprobiert. Ziel ist, dem Kind beim Entwickeln eine leserlichen Handschrift zu helfen.

Weiterhin ist wichtig, dass vor oder gleichzeitig zum Schreibenlernen, sogenannte Schreib- und Schwungübungen gemacht werden, wie das früher der Fall war. Dazu können auch verschiedene Stifte verwendet werden.

Grundsätzlich gilt:

  • Schreiben in sogenannten Schreibkonferenzen bleibt 4 Jahre lang Thema!
  • Die Kinder müssen beim Schreiben beobachtet werden, damit sich keine Fehler vom Schreibablauf einschleichen. Die Schrift folgt der Regel: „von oben nach unten, von links nach rechts
  • (fast) alle Buchstaben beginnen oben! > auf Schreibrichtung achten!
  • auch in Klasse 3 und 4 werden Verbindungen geübt
  • Sehr schwachen Kindern ist es auch erlaubt, weniger oder keine Buchstaben zu verbinden.
  • Verbindungen müssen wie bei den herkömmlichen Schriften häufig geübt werden, damit Schreib-Flüssigkeit entsteht
  • Es gibt keinen Bruch in der Schreibentwicklung, da keine 2 verschiedenen Schriften geübt werden

Eine Ausgangsschrift ist genug!

Ganz früher lernten die Schulanfänger eine Ausgangsschrift zum Schreiben. Heute lernen die Kinder zwei: Zuerst die Schrift, die sie überall sehen und mit der sie auch das Lesen lernen – sie schreiben mit Druckschrift-Buchstaben. Später steht die zweite Ausgangsschrift auf dem Programm.

Die Schulen haben die Wahl zwischen Lateinischer und Vereinfachter Ausgangsschrift, seit der Wende auch der Schulausgangsschrift der früheren DDR.

Da stellt sich die Frage: Brauchen die Kinder eigentlich zwei Ausgangsschriften, um zu einer individuellen Handschrift zu kommen?

Nein, eine Ausgangsschrift reicht. Es ist sinnvollerweise die erste Schrift, mit der viele Kinder schon vor der Schule anfangen zu schreiben und mit der sie auch in der Schule zuerst schreiben: die handgeschriebene Druckschrift. Grundschrift nennt sie der Grundschulverband. Später üben die Kinder, wie sie Buchstaben miteinander verbinden können. Es müssen aber längst nicht alle Buchstaben in einem Wort auch sichtbar verbunden werden. Bei Erwachsenen ist das nicht anders: Sie setzen im Durchschnitt nach zwei oder drei Buchstaben ab, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Verbundenheit heißt also nicht: alle Buchstaben im Wort miteinander verbinden. Die Vereinfachte Ausgangsschrift macht das übrigens auch nicht. Immer überprüfen Lehrkraft und Kinder, ob die Handschrift den Kriterien standhält: gute Leserlichkeit und Flüssigkeit des Schreibens (siehe auch: www.die-grundschrift.de).